Tipp der Woche: der zypriotische Tastenzauberer Nicolas Economou

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Tipp der Woche: der zypriotische Tastenzauberer Nicolas Economou

 

Foto: Nicolas Economou (1953 – 1993) © LOFTmusic

Robert Schumann (1810–1856) „Arabeske” op. 18

Es gibt unzählige Aufnahmen dieses 1839 in Wien komponierten Stücks, jedoch nur wenige, die derart tiefgehend-innig gesungen werden, wie die vorliegende Einspielung des 1993 bei einem Autounfall verstorbenen Ausnahmepianisten Nicolas Economou. Mit dem ersten Ton fesselt der Zypriote den Zuhörer, lässt ihn die knapp sieben Minuten nicht mehr aus seinem magischen Bann. Diese Live-Aufnahme aus dem Münchner Kongress-Saal aus den frühen 1980er-Jahren ist eine Sternstunde der Musik.

Mit Poesie und Leidenschaft lässt Economou dieses hoch romantische Zeugnis der Sehnsucht, der Liebe, frei durch den Saal schweben. Setzt Crescendos, Diminuendos und Ritardandi gut überlegt, erzeugt durch Generalpausen eine knisternde, beinahe berstende Spannung, und – löst sie derart sensibel, zart wieder auf, dass es einem ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert.

Economou, der den Tiefgang der Arabeske vollends verinnerlicht hat, erweckt mit seiner natürlichen Virtuosität den Schumann’ schen Geist zu neuem Leben; ist ein genialer Vermittler des Schumann’ schen Liebeskummers, vermittelt dessen Schmerz, Rage und Melancholie, die dennoch eine Portion Hoffnung ausstrahlt, in unnachahmlicher Weise.

Der Mitbegründer des Münchner Klaviersommers meistert alle Aspekte des feinen Klavierspiels: Die Virtuosität immer im Dienst der Musik, eine ausgeklügelte Gesamtkonzeption, die Lebensumstände des Komponisten immer zwischen den Zeilen  sprechen lassen, und ein Spannungsbogen, der durchgehend aufrecht gehalten wird. Ein Ausnahmepianist auf den Spuren der großen russischen Pianisten!

In den letzten Takten wandelt Schumann nicht mehr auf dieser Welt, gleicht die Musik einem sehnsüchtigen Flehen, an eine höhere Macht, die doch herabsteigen möge, um der armen Seele erlösend beiseite zu stehen – so interpretiert der Zypriote seinen Schumann.

Das Publikum honoriert den Vortrag mit einstimmiger Ruhe – dem größten Kompliment!

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