Frank Castorf inszeniert „Faust” an der Wiener Staatsoper (Vorbericht)

VonKlassikpunk

Frank Castorf inszeniert „Faust” an der Wiener Staatsoper (Vorbericht)

Foto: Frank Castorf inszeniert zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper © Thomas Aurin

Die Wiener Staatsoper setzt ihren Premierenreigen fort: Am 29. April 2021 wird Charles Gounods Faust in einer Inszenierung von Frank Castorf aufgezeichnet. Via Stream, TV und Radio ist das Publikum zu Hause wieder mit dabei.

Besser spät als nie: Fast 70 Jahre musste Frank Castorf werden, um die heiligen Hallen am Wiener Ring betreten zu dürfen. Für die Wiener Staatsoper überarbeitet er die Stuttgarter Produktion (2016) von Gounods „Faust” nun neu. Ein Stoff, den er als Mann vom Theater nur allzu gut kennt. In seiner Inszenierung des Fünf-Akters trifft das Paris der Faust-Uraufführungszeit auf das Paris um 1960.

Wie gewohnt, spart Castorf nicht mit an die Reizüberflutung grenzenden Mitteln. Die Drehbühne rollt, Leinwände werden in Stellung gebracht und Kameraleute umschwirren die Hauptdarsteller.

Anders als bei Goethe geht es in Gonouds Oper nicht um große philosophische Themen, sondern ganz banal um die Liebe. Diese Oper habe eine ungeheure Sinnlichkeit, ließ Castorf im ORF Gespräch wissen. Und: Sie sei ein wenig wie „Pudding”. Manchmal sei dieser ganz gut – vor allem dann, wenn alles klar und richtig sei.

Zugleich setzt Castorf, die Geschichten, die von Gonoud nicht zu Ende erzählt wurden, im Video fort. Mit filmischen Mitteln wie Schnitten und Überblendungen zeigt man Verfolgungsjagden, Zeitsprünge oder Träume, die im Miniatur-Paris passieren. Fürs Bühnenbild sorgt Aleksandar Denić, die Kostüme steuert Adriana Braga-Peretzki hinzu.

Live dabei im Stream

Die Premiere am 29. April wird ab 18.00 Uhr live auf play.wiener-staatsoper.at sowie auf myfidelio.at übertragen. Radio Ö1 sendet die Gesamtaufzeichnung am 1. Mai ab 19.30 Uhr. Auch ORF III übernimmt die Produktion wieder ins Hauptabendprogramm: Eingeleitet von den »Kulissengesprächen mit Barbara Rett« um 20.00 Uhr wird Faust am 9. Mai ab 20.15 Uhr im Rahmen von »Wir spielen für Österreich« in ORF III ausgestrahlt.

Hochkarätige Besetzung

Die musikalische Leitung der Premierenproduktion verantwortet Bertrand de Billy. Nachdem der Franzose in dieser Saison an die Staatsoper zurückgekehrt ist, hat er bereits mehrere wichtige Projekte geleitet. So etwa die Wiederaufnahme des französischen Don Carlos und im Lockdown die „Tosca” mit Anna Netrebko oder „Werther” mit Piotr Beczała.

Hochkarätig ist auch die Sängerinnen- und Sängerbesetzung: Juan Diego Flórez gibt mit dieser Produktion sein szenisches Rollendebüt aus Faust. Die Marguerite gestaltet, erstmals am Haus, Nicole Car. Bei Castorf ist sie eine selbstbewusste Marguerite, die auch schon Mal eine Opium-Pfeife inhaliert. Den Méphistophélès verkörpert der vielversprechende junge polnische Bass Adam Palka, der sein Hausdebüt gibt – ebenso wie Étienne Dupuis als Valentin.

Besetzung / Cast

FAUST (Charles Gounod)

Musikalische Leitung Bertrand de Billy
Inszenierung Frank Castorf
Bühne Aleksandar Denić
Kostüme Adriana Braga Peretzki
Licht Lothar Baumgarte
Regieassistenz Wolfgang Gruber
Videoregie Martin Andersson
Kamera/Bildgestaltung Tobias Dusche, Daniel Keller
Dramaturgie Ann-Christine Mecke

Doktor Faust Juan Diego Flórez
Marguerite Nicole Car
Méphistopélès Adam Palka
Valentin Étienne Dupuis
Wagner Martin Häßler
Siébel Kate Lindsey
Marthe Monika Bohinec

[Quelle: Homepage der Wiener Staatsoper]

Über den Autor

Klassikpunk administrator

Jürgen Pathy aka Klassikpunk, Baujahr: 1976, lebt in Wien. Von dort möchte der gebürtige Burgenländer auch nicht mehr so schnell weg. Der Grund: die kulturelle Vielfalt, die in dieser Stadt geboten wird. Seit 2017 bloggt und schreibt der Wiener für Klassik-begeistert. Sein musikalisches Interesse ist breit gefächert: Von Bach über Pink Floyd, Nick Cave und AC/DC bis zu Miles Davis und Richard Wagner findet man fast alles in seinem imaginären CD-Schrank.

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