Frischer Wind an der Wiener Staatsoper: Barry Koskys „Don Giovanni“ zieht die Jugend an

Kyle Ketelsen als Don Giovanni
Foto: Kyle Ketelsen als Don Giovanni © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 17. September 2022
Don Giovanni, Wolfgang Amadeus Mozart

von Jürgen Pathy

Völlig durchgeknallt. Bei Barry Koskys Inszenierung von „Don Giovanni“, die bereits letzte Saison Premiere feierte, treiben es die beiden Hauptprotagonisten ziemlich wild. Don Giovanni, ein moderner Gigolo, punktet nicht nur mit sportlichem Sixpack, sondern auch mit allerlei akrobatischen Einlagen. Leporello, ein Punk mit blaugefärbten Haaren, treibt das Ganze überhaupt bis an die Spitze: Tanzen, springen und jonglieren. Alles mit dabei, um an der Wiener Staatsoper Aufsehen zu erregen. Selbst ein kurzer Tauchgang bleibt Don Giovannis treuem Diener nicht erspart. Kurzum: Eine zirkusreife Produktion, die Regisseur Barrie Kosky da auf die Beine gestellt hat. (mehr …)

Wiener Staatsoper: Bertrand de Billy bewahrt den Abend vor einer Pleite

Zauberflöte, Wiener Staasoper 2022, Peter Kellner als Papageno und Golda Schultz als Pamina
Peter Kellner (Papageno) und Golda Schultz (Pamina) © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 7. September 2022
Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte

„Kellner frisst diese Partie wie nichts!“. Damit sollte er leider nicht Recht behalten. Ein Fachmann, der felsenfest davon überzeugt war, dass Peter Kellner als Papageno einen sicheren Kantersieg einfahren würde. In die Quere ist dem jungen Slowaken dabei eines geraten: sein unbändiges Selbstbewusstsein. Was ihm bei anderen Mozart-Partien in die Karten spielt, steht ihm als Papageno eindeutig im Weg – davon konnte man sich Mittwochabend in der ausverkauften Wiener Staatsoper überzeugen. Dabei hatte der Abend so verheißungsvoll begonnen.

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Zeuge der Bartoli-Mania: Fürst Albert II. von Monaco besucht die Wiener Staatsoper

Cecilia Bartoli an der Wiener Staatsoper 2022
Foto: Cecilia Bartoli © Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper, 3. Juli 2022
Il turco in Italia, Gioachino Rossini

In Wien hat sie eingeschlagen wie eine Bombe. Wer letzten Dienstag bei Cecilia Bartolis Hausdebüt dabei sein durfte, konnte kaum glauben, was sich da im Anschluss für Szenen abgespielt haben. Zwei, was heißt, drei Zugaben hatte sie bereits aufs Parkett gezaubert. Da waren noch immer geschätzte zwei Drittel des Publikums zur Stelle. Rund 30 Minuten nach Ende der halbszenischen Aufführung, die natürlich restlos ausverkauft gewesen war. (mehr …)

Zauberflöte an der Wiener Staatsoper: Im Gegensatz zu Tamino beherrschen die Wiener ihr Metier

Georg Nigl als Papageno an der Wiener Staatsoper 2022
Foto: Georg Nigl als Papageno © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 25. Juni 2022
Die Zauberflöte, Wolfgang Amadeus Mozart

Eine Zauberflöte geht immer. Selbst dann, wenn Prinz Tamino etwas Anlauf benötigt. Sarastro, der vermeintlich böse Priester, etwas zu dominant und herrisch agiert. Und im Publikum der Wiener Staatsoper eine Dame beinahe dem Hustentod erliegt, als wolle sie mit der Kameliendame aus der „Traviata” in Konkurrenz treten. Das hat vor allem einen Grund: Georg Nigl, der als Papageno ebenso überzeugend in Erscheinung tritt, wie vor rund zwei Wochen schon in Monteverdis „L’Orfeo“. (mehr …)

Live aus der Wiener Staatsoper: Simon Stone transportiert “Wozzeck” ins Wien der Gegenwart

Christian Gerhaher in Simon Stones Inszenierung von Wozzeck an der Wiener Staatsoper
Foto: Bei Regisseur Simon Stone landet Wozzeck (Christian Gerhaher) im Wiener Arbeiterbezirk Simmering © Michael Pöhn

Die Wiener Staatsoper zeigt am Donnerstag, 31. März 2022, 20:00 Uhr, “Wozzeck” von Alban Berg im Livestream. Verantwortlich für die Neuproduktion: Simon Stone, der möglicherweise noch das ganze Jahrzehnt auf den Opernbühnen prägen wird. 

Oper im Livestream. Sicherlich nicht jedermanns Sache. Highlight der nächsten Tage ist aber die Neuproduktion, mit der die Wiener Staatsoper aufhorchen lässt: Für Alban Bergs “Wozzeck” hat Staatsoperndirektor Bogdan Roščić wieder den Shootingstar der Regie-Szene nach Wien geholt – innerhalb kurzer Zeit bereits zum zweiten Mal. (mehr …)

Unverblümt – Der Klassikpunk Podcast: “Tote Stadt” (Korngold) an der Wiener Staatsoper.

Jung, flott und selbstbewusst. Mit gerade einmal 29 Jahren hat Thomas Guggeis bereits eine steile Karriere hinter sich. Mit seinem kurzfristigen Einspringen für Christoph von Dohnanyi bei der umjubelten Neuproduktion von "Salome" an der Staatsoper Berlin, sorgte der gebürtige Bayer für internationales Aufsehen. Dirigate führten ihn seitdem außerdem ans Theater an der Wien und an die Oper Stuttgart, wo er als Kapellmeister bei GMD Cornelius Meister tätig war. Im…

Als Kammersänger singt es sich leichter | Klassik begeistert

Jonas Kaufmann, Simone Young und Bryn Terfel wurden an der Wiener Staatsoper geehrt
Foto: KS Jonas Kaufmann, Ehrenmitglied Simone Young, KS Bryn Terfel © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 2. Februar 2022
Benjamin Britten, Peter Grimes

Kammersänger. Ein Titel, der anscheinend Flügel verleiht. Immerhin zähle man in Österreich bekanntlich nichts, solange man keinen hat. Darüber scherzte ein sichtlich gut gelaunter Jonas Kaufmann, nachdem er Mittwochabend an der Wiener Staatsoper auf offener Bühne geehrt wurde. Zuvor hatte er ebenso überzeugt.

von Jürgen Pathy

Peter Grimes ist die Geschichte eines Sündenbocks, der schnell einmal gefunden wird. Vor allem in einem kleinen Dorf, wo der Antiheld sein Dasein als Fischer fristet. Eine Gesellschaftskritik, mit der Benjamin Britten sich den Frust von der Seele komponierte. Britten, selbst Bewohner einer britischen Kleinstadt, kannte das Los nur zu gut. Als Pazifist, Wehrdienstverweigerer und Homosexueller war Britten ein Einzelgänger. Aus diesem Leid entstand mitten in den Wirren des 2. Weltkriegs dieses Meisterwerk, das 1945 in London zur Uraufführung gelangte.

Jonas Kaufmann in Hochform

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