Goernes samtweicher Gruß an die ferne Geliebte | Klassik begeistert

Matthias Goerne
Foto: Matthias Goerne © Marie Staggat

Foto: Matthias Goerne © Marie Staggat

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 26. Juli 2021
Matthias Goerne, Bariton
Alexander Schmalcz, Klavier

Höhen und Tiefen. Obwohl er große Teile des Beethoven-Liederabends enorm einfühlsam interpretiert hat, war nicht alles feinste Sahne, was Matthias Goerne gestern Abend im Wiener Konzerthaus geboten hat. Vor allem zu Beginn des Abends, an dem sich Goerne und der Pianist Alexander Schmalcz weniger populären Stücken widmeten. Da griff Goerne einige Male daneben, wie man so schön sagt. Erst ab den sechs Liedern nach Gellert konnte Goerne, der zu den besten Liedsängern seiner Generation zählt, seinem Ruf gerecht werden.

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Lohengrin an der Wiener Staatsoper: Cornelius Meister treibt Klaus Florian Vogt in göttliche Sphären

Foto: Klaus Florian Vogt als Lohengrin an der Wiener Staatsoper © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 19. Juni 2021
Lohengrin, Richard Wagner

Besser spät, als nie! Genauso wie diese Kritik zündet der Lohengrin-Dampfer an der Wiener Staatsoper etwas verspätet. Waren das Vorspiel und Teile des 1. Akts noch von Nervosität und Unsicherheit geprägt, brennt „das erste Haus am Ring” ab dem 2. Akt so richtig. Dafür verantwortlich: Cornelius Meister, der Andreas Homokis Bauernstubeninszenierung in einen wahren Hexenkessel verwandelt. An der Wiener Staatsoper leitet der gebürtige Deutsche die aktuelle Lohengrin-Serie. So viel Wagner roh, so viel Dramatik hat man seit Ádám Fischers Götterdämmerung im April 2018 nicht mehr erlebt. Der ließ es damals genauso gewaltig krachen. Wenn dann neben der enormen Dezibel-Beschallung, die jedoch niemals zu Lasten der Sänger fällt, der Spannungsbogen bis zum Ende hält, schießt das Wagner’sche Narkotikum mit voller Wucht in die Venen. Klangrausch pur! (mehr …)

Kosky schickt Anna Netrebko in die Dunkelheit

Anna Netrebko als Lady Macbeth
Foto: Anna Netrebko als Lady Macbeth © Michael Pöhn

Foto: Anna Netrebko als Lady Macbeth © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 17. Juni 2021
Macbeth, Verdi

Dunkel, düster und eintönig. Willkommen in Barrie Koskys Traumwelt. Der deutsch-australische Starregisseur, der seit dieser Saison vermehrt an der Wiener Staatsoper aktiv ist und sein wird, verliert sich in seiner Fantasie. Dass Verdis „Macbeth” die dunkelste Oper des italienischen Komponisten ist, steht außer Zweifel. Ebenso, dass diese Oper wenig bietet. Zumindest, wenn man eingängige Arien, melodisch geschwungene Bögen oder schmissige Melodien sucht. Im Mittelpunkt dieser 1865 überarbeiten Vorlage nach Shakespeares Tragödie steht das Theater, das Schauspiel. (mehr …)

Er kennt seinen Beethoven noch immer: Daniel Barenboim im Musikverein Wien

Daniel Barenboim
Foto: Daniel Barenboim © Silvia Lelli

Musikverein Wien, Goldener Saal, 22. Mai 2021 Daniel Barenboim, Beethoven Klaviersonaten Nr. 5 - Nr. 8 von Jürgen Pathy Er kann es noch immer. Das hat er ein weiteres Mal bewiesen. Daniel Barenboim, mittlerweile 78 Jahre alt und für viele der beste lebende Musiker, beherrscht das Klavier, das Instrument, mit dem er groß geworden ist, noch immer. Davon durften sich gestern rund 800 Zuschauer im Goldenen Saal des Musikvereins…

Willkommen zurück in der Wiener Staatsoper: “Faust” vor Livepublikum | Klassik begeistert

Juan Diego Florez und Nicole Car an der Wiener Staatsoper in Faust
Foto: Nicole Car und Juan Diego Flórez in "Faust" (c) Michael Pöhn

Foto: Nicole Car und Juan Diego Flórez in “Faust” © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 19. Mai 2021
Faust, Charles Gounod

von Jürgen Pathy / Klassikpunk

Willkommen zurück in der Wiener Staatsoper“. Das waren die ersten Worte, die Staatsoperndirektor Bogdan Roščić am ersten Spieltag nach langer Zeit an das Wiener Publikum richten durfte – an das Livepublikum wohlgemerkt. Vorort. Im Saal. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten der Pandemie. Nach beinahe sieben Monaten, an denen das Haus geschlossen war, emotional ein wirklich großer Moment.

Zwar wurden auch während des Lockdowns alle angesetzten Premieren gestreamt, aber „Life is Live“, wie kurz davor noch Vizekanzler Werner Kogler am Aufgang der Feststiege verkündete. Natürlich im Blitzlichtgewitter der Kameras. Gemeinsam mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, der nicht bekannt ist als großer Operngänger, nutzte die Spitze der österreichischen Bundesregierung diesen Moment, um sich medial wirksam in Szene zu setzen. Drinnen im Saal wurde auch noch gespielt: „Faust“ von Charles Gounod.

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Tobender Applaus für die Walküre an der Bayerischen Staatsoper

Jonas Kaufmann als Siegmund
Foto: Jonas Kaufmann als Siegmund an der Bayerischen Staatsoper (c) Wilfried Hösls

Foto: Jonas Kaufmann als Siegmund in der Bayerischen Staatsoper © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper, 13. Mai 2021 (Live-Stream)
Richard Wagner, Die Walküre (1. Akt)

Jonas Kaufmann, Siegmund
Lise Davidsen, Sieglinde
Georg Zeppenfeld, Hunding
Asher Fish, Musikalische Leitung
Bayerisches Staatsorchester

von Jürgen Pathy / Klassikpunk

Ein fast schon historischer Moment. So beschrieb Nikolaus Bachler, der Intendant der Bayerischen Staatsoper, den gestrigen Abend. Der Grund: Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte in München wieder vor Live-Publikum in Saal gespielt werden. Der Lockdown nimmt fürs Erste ein Ende. Aber nicht nur deswegen geriet Bachler ins Schwärmen.

Nachdem er kurz vor der Aufführung die Bühne betreten hatte, um diesen Moment zu würdigen, hob er auch die Besetzung explizit hervor: Mit Startenor Jonas Kaufmann, der jungen Sopranistin Lise Davidsen und Edelbass Georg Zeppenfeld habe man die größten Sänger engagiert, die zurzeit zur Verfügung stehen. Am Programm: der erste Akt von „Die Waküre” – in einer konzertanten Fassung. Kein Zufall. Dass dieses Werk gewählt wurde, so Bachler, liegt daran, dass es stark mit der DNA des Hauses verbunden sei. Am 26. Juni 1870 fand hier, im Nationaltheater München, die Uraufführung statt.

Bachler sollte nicht in allem Recht behalten. Chronologisch war es natürlich ein fast schon historischer Moment, musikalisch allerdings nicht ganz. Obwohl die Vorstellung wirklich unter der Kategorie sehr gut einzuordnen ist, fehlte ein wenig, um sie künstlerisch als historisch einzuordnen. Nirgendwo viel, aber doch ein „Euzerl”, wie es in Österreich heißt. (mehr …)

Kein Stein bleibt auf dem anderen: „Parsifal“ an der Wiener Staatsoper | Klassik begeistert

Parsifal an der Wiener Staatsoper
Foto: Jonas Kaufmann (Parsifal), Elina Garanca (Kundry) © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

„DER KLANG WIRD ZUM RAUM“

Wiener Staatsoper, 11. April 2021 (Stream bei ARTE Concert vom 18. April)
Richard Wagner, Parsifal

von Jürgen Pathy / Klassikpunk

Nichts konnte ihn stoppen. Kein Corona, keine Verurteilung und kein Ausreiseverbot. Obwohl Kirill Serebrennikov in Russland festsitzt, brachten er und sein Team an der Wiener Staatsoper die lange ersehnte Neuinszenierung von „Parsifal“ auf die Bühne. Und die kann sich sehen lassen! Bei Serebrennikov bleibt kein Stein auf dem anderen. Passend zu seinen Lebensumständen, verlegt er die Gralsburg kurzerhand in eine Haftanstalt.

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