Bei Alfred Eschwé fließt die Donau optimistisch ins Jahr 2021

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Bei Alfred Eschwé fließt die Donau optimistisch ins Jahr 2021

Foto: Alfred Eschwé, der bereits 1998 zum ersten Mal das Neujahrskonzert der Tonkünstler dirigierte © Dieter Nagl

Neujahrskonzert der Tonkünstler, 3. Januar 2021 (ORF-TVthek)
Tonkünstler-Orchester Niederösterreich
Alfred Eschwé , Dirigent

von Jürgen Pathy

Neujahrskonzert – und zwar ohne Publikum. Nicht nur bei den Wiener Philharmonikern, sondern auch beim traditionellen Neujahrsgruß des Tonkünstler-Orchesters bot sich dieses Jahr derselbe Anblick. Üblicherweise eine Tour durch Ostösterreich, reist das Orchester sonst doch von einem Ort zum anderen, langte es dieses Jahr nur zu einer Aufzeichnung aus dem St. Pöltner Festspielhaus. Der Grund ist bekannt: Corona.

Strauss, Lehar und ein wenig italienische Sorgenfalten

Dass die Matinee, die vom ORF ausgestrahlt wurde, dennoch keinem Trauerspiel glich, ist Alfred Eschwés Programm-Wahl zu verdanken. Der Wiener Strauss-Spezialist, der das Neujahrskonzert der Tonkünstler bereits 1998 zum ersten Mal leitete, hat sich was einfallen lassen. Ein Strauss-Block zu Beginn. Abwechselnd mit schnellen und langsamen Polkas. Nicht nur von der bekannten Strauss-Dynastie, sondern auch von Oscar Straus. Ein Lehar-Block am Ende. Und dazwischen war diese Gala-Vorstellung gespickt mit einige Kuriositäten. Bevor man aber erleben durfte, wie Alfred Eschwé mit einem Hammer auf einem Metallophon, das in einem Amboss versteckt wurde, den Ton schlug, oder die Tonkünstler mit einer kurzen Gesangseinlage überraschten, gabs noch einen Wink des Schicksals.

Eschwé, der sich mit rotem Mascherl um den Hals präsentierte, eröffnete die Matinee nämlich mit der Ouvertüre aus Verdis „La forza del destino”. Zu Deutsch: „Die Macht des Schicksals”. Wehmütig, der Klang der Klarinette, die so wirkte, als würde sie sich ebenso nach der alten Normalität sehnen, wie das Publikum vor den Schirmen. Ob diese jemals wieder einkehren wird, ist jedoch unklar. Verdis Oper endet zumindest nicht so rosig. Dort wartet man vergebens auf ein Happy End.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Bei Eschwé scheint die Zukunft nicht ganz so düster. Der fünffache Großvater, der glaubt, dass es bis zum Sommer dauern wird, bis der normale Spielbetrieb wieder läuft, lies im Laufe dieser Gala-Vorstellung einen Funken Hoffnung keimen. Nachdem die Tonkünstler mit der rasanten Tik-Tak-Polka (Johann Strauss Sohn) so richtig Fahrt aufnahmen, funkelte es „An der schönen blauen Donau” etwas heller als beim berühmten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Dort hatte Riccardo Muti beim Walzer, der beinahe schon als heimliche Hymne Österreichs gilt, viel Schwere und Melancholie mitschwingen lassen. Bei Eschwé und den Tonkünstlern duftete alles viel blumiger und leichtfüßiger.

Ansonsten gab es ähnlich prächtige Blumenbouquets und einige aufstrebende Sopranstimmen: Beate Ritter ließ ihren Koloraturen freien Lauf, Ilona Revolskaya mühte sich ein wenig mit der deutschen Sprache und Kathrin Zukowski, die schönste Stimme unter den dreien, lieferte den stimmlichen Glanzpunkt.

Jürgen Pathy (Klassikpunk.de), 4. Januar 2021, für klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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Klassikpunk, Baujahr: 1976, lebt in Wien. Von dort möchte der gebürtige Burgenländer auch nicht mehr weg. Der Grund: die Wiener Staatsoper. Ein ähnliches Opernhaus, vor allem von diesem Stellenwert, das trotz seiner Größe eine derart warme Atmosphäre ausstrahlt, muss erst erbaut werden. Das „erste Haus am Ring", wie es genannt wird, ist einzigartig!

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