Gedanken zum Tag: Adieu Karl Lagerfeld

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Gedanken zum Tag: Adieu Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld © dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

Anlässlich Karl Lagerfelds Tod, hat Arte eine interessante Dokumentation veröffentlicht, die Einblicke gewährt, in eine Welt, die ich ehrlich gesagt nie wirklich verstanden habe. Oberflächlichkeiten all zu sehr in den Mittelpunkt zu drängen, ist mir schon immer ein Graus gewesen. Anderseits sind mir fehlende Individualität und Stil, die Konformität des alltäglichen Erscheinungsbildes ebenso ein Dorn im Auge.

Aus dieser paradoxen Gesinnung heraus entspringt doch ein gewisses Interesse an der Modewelt und an Lagerfelds Tod. Oder mag’s daran liegen, dass ich in den 90er-Jahren groß geworden bin, in einer Zeit, in der Modells zu Superstars avancierten und Karl der Große medial allgegenwärtig war? Gut möglich. Es könnte auch an der charismatischen Persönlichkeit des Modezaren liegen, der nun für immer von der Oberfläche verschwunden und in die ewigen Jagdgründe eingezogen ist. Vermutlich ein wenig von allem! Sympathisch war er mir schon immer, der gute Karl. Und sind wir doch ehrlich:  Der gewissen Faszination, der unerreichbaren Welt der Reichen und Schönen, können wir uns alle nicht gänzlich entziehen. Egal wie scheinheilig, oberflächlich und dekadent sie auch sein mag.

Störend an dieser utopischen Seifenblase fand ich nur das seltsame Idealbild einer Frau, das zur Jahrtausendwende Einzug gehalten hat. Ein Frauenbild, das den Hirngespinsten einiger Modeschöpfer entsprang, die jeglichen Bezug zur Realität verloren haben dürften. Magersüchtige Skelette im Knaben-Look dominierten lange Zeit das Geschehen, wurden als das Nonplusultra vermarktet und prangten übergroß von vielen Werbetafeln. Haben zigtausende Teenies und unreife Hausfrauen in den Wahnsinn, in die Verzweiflung und teilweise in die Magersucht getrieben.

Aber gut, sei’s drum. Stoßen kann man sich immer. Kunst kann, darf und soll aufregend sein, ist nicht immer gesund – genauso wie der professionelle Operngesang, der ebenso seine Schattenseiten aufzuweisen hat. In Anbetracht des Todes einer großen Persönlichkeit, sollte man achtgeben, nicht zu sehr ins Zynische abzugleiten. Man sollte lieber der Errungenschaften Karls des Großen in der Kunst & Society den notwendigen Tribut zollen!  Ihm danken, dass er uns ein wenig hat entfliehen lassen aus dem Alltag, aus der uniformierten Einöde, und uns eine moderne Märchenfigur gewesen ist, deren Charisma und magischer Anziehungskraft wir uns nur schwer entziehen konnten.

Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt.” – Oscar Wilde

In diesem Sinne: Adieu Karl Lagerfeld!

 

Über den Autor

Klassikpunk

Klassikpunk administrator

Klassikpunk, Baujahr: 1976, lebt in Wien. Von dort möchte der gebürtige Burgenländer auch nicht mehr weg. Der Grund: die Wiener Staatsoper. Ein ähnliches Opernhaus, vor allem von diesem Stellenwert, das trotz seiner Größe eine derart warme Atmosphäre ausstrahlt, muss erst erbaut werden. Das „erste Haus am Ring", wie es genannt wird, ist einzigartig!

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