Der Groove hielt Einzug im Großen Saal des Wiener Konzerthauses

VonKlassikpunk

Der Groove hielt Einzug im Großen Saal des Wiener Konzerthauses

 

China Moses © Sylvain Norget

Wiener Konzerthaus, 8. Dezember 2018

China Moses, Gesang
Josiah Woodson, Trompete, Gitarre
Luigi Grasso, Saxophon
Ashley Henry, Klavier
Neil Charles, Bass
Marijus Aleksa, Schlagzeug
Miguel Sanchez, Tontechnik

Nachdem die Band sich etwas warm gespielt hat, erschien die charismatische Sängerin auf der Bühne – im klassisch schwarzen Kostüm und in schwarzen High-Heels-Stiefeln. Ein wahrer Sonnenschein, ein Vollblut-Weib, den Rhythmus im Blut – kein Wunder bei diesen Genen, ist ihre Mutter niemand Geringerer als die Jazz-Sängerin und Grammy-Gewinnerin Dee Dee Bridgewater. Mit dem neuen Album „Nightintales” im Gepäck gastierte China Moses mit ihrer Band zum Tournee-Abschluss im wunderschönen Ambiente des großen Saals des Wiener Konzerthauses.

Die Nacht und die Bars sind ihr natürliches Habitat. Davon erzählt China Moses des Öfteren im Laufe des unterhaltsamen Abends, sowohl in ihren Songs als auch in den vorangehenden ausführlichen Monologen.  Dabei fordert sie das Publikum dazu auf, die Fantasie spielen zu lassen und sich in einer Hotel-Bar wieder zu finden. Meist landet man in einer verrauchten, verruchten Bar mit schummriger Beleuchtung, in New York City  – zumindest in meiner Traumwelt. In dieser Umgebung scheint sich die 39-jährige US-Amerikanerin die Inspiration zu ihren Songs zu holen.

In Ihren vom Jazz geprägten Liedern erlebt der Zuhörer ein buntes Potpourri an Musikstilen – von Hip-Hop über Funk bis hin zu Swing. Die Entertainerin möchte sich jedoch keine Handschellen verpassen lassen und sagt: „Ich singe alles. Ich mache was ich liebe und das möglichst authentisch“.

In Los Angeles geboren, lebt China Moses heute überwiegend in Paris. So lasziv wie sie sich auf der Bühne räkelt, sich ungehemmt gebärdet, tanzt, springt und das Publikum zum Klatschen und Mitsingen animiert, ist die Stadt der Liebe bestimmt der ideale Wohnort für die vor Lebensfreude sprühende Sängerin – ein wahres Energiebündel! Dazu ist sie ausgestattet mit einem rauchig-lasziven Organ, das, wenn nötig sanft und verführerisch tönt, dann wiederum mit vollem Fortissimo den Funk und das Leben zelebriert.

Doch was wäre eine Blues– und Jazz-Sängerin ohne eine hervorragende musikalische Begleitung, ohne ihre Band, dem „Vibe-Tribe“, wie sie ihre fünfköpfige Männer-Truppe hochachtungsvoll bezeichnet. So bunt gemischt wie ihre Musik ist auch die Band ein Sammelpool aus aller Welt: Italien, Vilnius (Litauen), New York und London. Sie hat sich ihren „Vibe-Tribe” mit bestem Gewissen zusammengestellt: erstklassige Instrumentalisten allesamt! Jeder einzelne kann in den Instrumental-Soli sein Können zeigen und das Publikum quittiert jeden Einzelenen mit begeistertem Beifall. Besonders hervor sticht der junge Pianist aus London: Ashley Henry! Mit seinem oberton- und farbenreichen Klavierspiel sollte der 25-jährige Jazz-Musiker ein Vorbild sein für die Riege an jungen Klassik-Pianisten, deren Spiel nur all zu oft diese Tugenden vermissen lässt!

Diese Vollblut-Entertainerin und ihre hervorragende Band hätten sich definitiv ein ausverkauftes Haus verdient – einige wenige Plätze sind frei geblieben. Jeder der ein wenig Rhytm ‘n’ Blues im Blut hat, der sollte sich zukünftige Auftritte dieser „Sippe” nicht entgehen lassen!

Über den Autor

Klassikpunk administrator

Jürgen Pathy aka Klassikpunk, Baujahr: 1976, lebt in Wien. Von dort möchte der gebürtige Burgenländer auch nicht mehr so schnell weg. Der Grund: die kulturelle Vielfalt, die in dieser Stadt geboten wird. Seit 2017 bloggt und schreibt der Wiener für Klassik-begeistert. Sein musikalisches Interesse ist breit gefächert: Von Bach über Pink Floyd, Nick Cave und AC/DC bis zu Miles Davis und Richard Wagner findet man fast alles in seinem imaginären CD-Schrank.

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