Gedanken zum Tag: „Ich bin froh, dass Plácido Domingo noch singt!”

VonKlassikpunk

Gedanken zum Tag: „Ich bin froh, dass Plácido Domingo noch singt!”

Placido Domingo ist 80 © APA / Barbara Gindl

Plácido Domingo ist 80. Zumindest offiziell. Hinter vorgehaltener Hand munkelt man, er wäre schon etwas älter. Tut nichts zur Sache. Ebenso die Vorwürfe, die ihn des Machtmissbrauchs beschuldigt hatten. Offiziell verurteilt wurde er nie. Dass Personen, denen viel Macht zur Verfügung steht, mit dieser nicht immer umgehen können, ist bekannt. Auftrittsverbote in vielen Ländern, ein beschädigter Ruf und eine überstandene Corona-Infektion sind auch so Strafe genug. In Wien und Salzburg hält man ihm jedoch noch die Stange.

Anlässlich seines Geburtstages sind viele Beiträge veröffentlicht worden. Sachliche, weniger seriöse und einige, die mit großen Schlagzeilen punkten wollen. Ein bekannter deutscher Kritiker, der öfters in Erscheinung tritt, hat mit seiner Überschrift jedoch den Vogel abgeschossen: Aus dem Tenorhelden ist eine tragische Witzfigur geworden. Eine Finte, um Leser zu generieren, wie der Inhalt des Textes dann beweist. Der ist um einiges harmloser als die Schlagzeile. Frei nach dem Sprichwort: Es wird nie so heiß gegessen, wie gekocht. Dennoch ein paar Worte zum Jubilar.

Ich bin froh, dass Plácido Domingo noch singt. Vielleicht sollte er aber weniger auftreten als bisher. Ein 80-Jähriger braucht nun Mal seine Pausen. Längere als andere. Dass der „kurzatmig“ ist und auch sonst nicht mehr klingen kann wie mit 50 – welch Überraschung.

Nach der langen Corona-Pause, war es jedoch eine große Freude ihn an der Wiener Staatsoper in „Simon Boccanegra” zu sehen und hören. Die Pause hatte ihm hörbar gutgetan. Wenn er so singt, wie an diesem Abend, möchte ich ihn noch öfters hören. Wird vermutlich nur mehr selten bis gar nicht passieren, immerhin wird auch er nicht jünger. Aber großen Respekt vor dieser Leistung mit diesem Alter!

Giuseppe Verdi, Simon Boccanegra Wiener Staatsoper, 18. September 2020

Außerdem muss man bei Domingo auch anders hören. Mit dem Herzen, wie es ein Kollege vom onlinemerker formulierte. Die Menschen lieben Placido einfach. Wer mal erlebt hat, welch ein Raunen durch das Publikum geht, wenn er zum ersten Mal am Abend die Bühne betritt, der wird das nie vergessen. Solange das zahlende Publikum ihren „Tenorissimo“ hören und sehen möchte, ist das nun mal ihr gutes Recht. Egal, ob Tenor, Bariton oder Baritenor. Viva Plácido!

Über den Autor

Klassikpunk administrator

Jürgen Pathy aka Klassikpunk, Baujahr: 1976, lebt in Wien. Von dort möchte der gebürtige Burgenländer auch nicht mehr so schnell weg. Der Grund: die kulturelle Vielfalt, die in dieser Stadt geboten wird. Seit 2017 bloggt und schreibt der Wiener für Klassik-begeistert. Sein musikalisches Interesse ist breit gefächert: Von Bach über Pink Floyd, Nick Cave und AC/DC bis zu Miles Davis und Richard Wagner findet man fast alles in seinem imaginären CD-Schrank.

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