Nach dem Abgang von Markus Hinterhäuser wird Peter de Caluwe neuer Intendant der Salzburger Festspiele. Ab 2027 will er Tradition und Erneuerung verbinden. Kristina Hammer wurde als Festspielpräsidentin für weitere fünf Jahre bestätigt. Ob Lukas Crepaz Geschäftsführer bleibt, ist hingegen noch offen.
Neue Intendanz für die Salzburger Festspiele
Peter de Caluwe wird ab Oktober 2027 neuer Intendant der Salzburger Festspiele. Bis dahin führt Karin Bergmann die Festspiele als Interimsintendantin weiter. Sie hatte nach dem vorzeitigen Ende der Intendanz von Markus Hinterhäuser kurzfristig übernommen. De Caluwe beginnt jedoch bereits jetzt mit den Vorbereitungen für seine erste Saison und wird dabei eng mit Bergmann und dem bestehenden Team zusammenarbeiten.
De Caluwe bringt umfangreiche internationale Opernerfahrung mit. Als langjähriger Intendant der Oper La Monnaie in Brüssel war er für ein Haus verantwortlich, das für ambitionierte Regiearbeiten, ungewöhnliche Programme und zeitgenössisches Musiktheater bekannt ist.
Rosenkavalier trifft Gegenwart
In Salzburg will Peter de Caluwe Tradition und Erneuerung miteinander verbinden. Bei seiner Präsentation durch das Kuratorium unter Vorsitz von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler machte er deutlich, dass große Werke des Repertoires weiterhin ihren Platz haben sollen.
De Caluwe bezeichnete sich selbst als „Mozart-Fanatiker“, bei Richard Strauss denke er besonders an den „Rosenkavalier“. Seit 2014 sei das Werk in Salzburg nicht mehr zu sehen gewesen. Das Jahr 2031 könne daher ein guter Anlass für eine Rückkehr sein, sagte de Caluwe – ohne eine konkrete Produktion bereits zu bestätigen.
Dabei geht sein Blick noch weiter zurück. Es gebe Werke, die seit rund 70 Jahren nicht mehr bei den Salzburger Festspielen gespielt worden seien. Manche davon würden von Regisseuren als „Bourgeoisie-Opern“ bezeichnet, die heutzutage schwer zu inszenieren seien. Gerade solche Stücke wolle er wieder ins Gespräch bringen und auf die Bühne holen.
„Ich bin eher ein Harmoniemensch“
Peter de Caluwe
Gleichzeitig kündigte de Caluwe an, zeitgenössische Oper wolle er jedes jahr ins Programm der Salzburger Festspiele aufnehmen. Tradition soll unter seiner Intendanz also mit neuen Werken und anderen ästhetischen Perspektiven verbunden werden.
Viel Zeit bleibt ihm dafür zunächst nicht: Bereits für 2028 muss de Caluwe ein eigenes Programm gestalten. Das sei knapp, aber machbar. Auf den Weg bringen will de Caluwe diese Vorhaben möglichst im Konsens mit allen Beteiligten. Reibung suche er nicht, erklärte er bei seiner Präsentation – er sei „eher ein Harmoniemensch“.
Raus aus der Festspielblase
Die bevorstehende Generalsanierung der Festspielhäuser betrachtet de Caluwe nicht nur als Herausforderung. Sie könne eine Chance sein, neue Spielstätten zu entdecken, andere Formate auszuprobieren und zusätzliche Publikumsschichten anzusprechen.
Sein Anspruch bleibt dabei hoch. De Caluwe spricht von „höchster künstlerischer Qualität und größter Offenheit“. Die Salzburger Festspiele sollen international bleiben, zugleich aber stärker in Salzburg verwurzelt sein und Menschen erreichen, die bisher vielleicht nicht selbstverständlich den Weg zu den Festspielen gefunden haben.
Damit zeichnet sich ab: Salzburg soll unter Peter de Caluwe seine Tradition nicht ablegen – aber sie auch nicht ins Museum stellen.
Kristina Hammer bleibt Präsidentin
An der Spitze des Festspielpräsidiums bleibt Kontinuität gewahrt: Kristina Hammer wurde für weitere fünf Jahre bestätigt. Damit will man bei den Salzburger Festspielen nach der schwierigen Phase für personelle Stabilität sorgen, während parallel künstlerische Erneuerung stattfinden soll.

Man habe das Sponsoring-Budget in den letzten Jahren um 18,8 Prozent gesteigert, betonte Hammer. Insgesamt habe man Verträge und Zusagen in Höhe von 40 Millionen Euro eingeholt.
Lukas Crepaz vor dem möglichen Aus
Ob Lukas Crepaz Geschäftsführer bleibt, ist offen. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler wollte sich dazu nicht näher äußern. Sein Vertrag laufe Ende März 2027 aus.

Crepaz habe um ein vertrauliches Sechsaugengespräch mit Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger und Edtstadler gebeten. Deshalb wolle man derzeit keine Inhalte daraus preisgeben. Die Position soll neu ausgeschrieben werden.
Wirklich Ruhe ist bei den zuletzt kräftig durchgerüttelten Salzburger Festspielen damit noch nicht wirklich eingekehrt.

Jürgen Pathy lebt in Wien und berichtet seit 2017 über Oper, klassische Musik und Kultur. Seine Kritiken erscheinen unter anderem bei klassik-begeistert.de. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Musiktheater, Interpretation und der Wirkung von Kunst auf das Publikum.



