„Träumerei“, Kinderszenen op 15 | Robert Schumann

Mein erster musikalischer Eintrag betrifft ein bezauberndes Klavierstück von Robert Schumann (* 8. Juni 1810 in Zwickau, Königreich Sachsen ; † 29. Juli 1856 in Endenich, heute Ortsteil von Bonn, Deutschland), die „Träumerei“. Vorgetragen wird das Stück als Zugabe vom unvergesslichen Vladimir Horowitz, einem der besten Pianisten, für viele gar der beste Pianist aller Zeiten. Horowitz spielte sie ab einem gewissen Zeitpunkt seiner langen Karriere regelmäßig als Zugabe. Diese Aufnahme entstand bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritten im Moskauer Konservatorium 1986, nur wenige Jahre vor seinem Tod  1989.  Nach Jahrzehnten kehrte der „verlorene Sohn“ noch einmal in seine Heimat zurück und gab dieses viel umjubelte und legendäre Rezital, nachdem er im Herbst 1925 als relativ unbekannter Pianist die Sowjetunion verließ. Zum Glück für die Nachwelt wurde dieses Konzert auf CD als auch auf Video festgehalten – Horowitz in Moskau.

Kinderszenen op. 15 – Rückblick auf die Kindheit und das Leben

Kinderszenen op. 15 - Ein poetischer Rückblick auf dem Klavier | Robert Schumann
(Foto: pixabay/perovict)

Die Träumerei ist das siebte von dreizehn kurzen Klavierstücken die im Klavierzyklus Kinderszenen op. 15 zusammengefasst werden. Komponiert und veröffentlicht wurden die Kinderszenen zu einer für Robert Schumann sehr schwierigen und leidvollen Zeit im Jahr 1838. Seit 1835 waren er und die blutjunge Clara Wieck (1819-1896) ein Liebespaar. Jedoch streubte sich deren Vater und zu dieser Zeit auch Schumanns Klavierlehrer Friedrich Wieck mit allen Mitteln gegen diese Beziehung und verbot den beiden sich zu sehen. Heute kaum mehr vorstellbar, zu jener Zeit jedoch Gang und Gebe.

Aus dieser großen Sehnsucht und tiefen Leidenschaft entstanden einige der bekanntesten Schumann ’schen Werke und der Klavierliteratur – Wilhelm Kempff spielt Schumann – allgemein. Denn Schumann ist nicht nur Komponist, er ist Poet und Musik seine Sprache. Ein großartiger Geschichtenerzähler, der es vermag mit seiner Musik jung und alt zu fesseln. In vielen seiner Werken dominiert ein Wechselspiel zwischen kindlicher Heiterkeit und tiefer Melancholie. Ein ständiges Ping Pong Spiel. Hin und her.

Beste Beispiele hierfür sind nicht nur seine Kinderszenen sondern auch die Kreisleriana. Ein zwiespältiges Kompositionsverhalten, das womöglich auch schon auf seine spätere manisch-depressive Störung hinweisen könnte, die letztendlich zum tragischen Ende führte. Denn 1854 stürzte er sich, geplagt von Stimmen und Geistern, in den eiskalten Rhein. Woraufhin er sich nur kurze Zeit später selbst in die Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn hat einliefern lassen. Ohne diese Einrichtung jemals wieder zu verlassen verstarb er dort am 29. Juli 1856. Zum Glück jedoch nicht ohne der Nachwelt ein herzergreifendes, hochromantisches Ouvre zu hinterlassen.

Die Kunst des Schumann’schen Klavierspiels

Technisch sind die Kinderszenen laut Henle-Verlag leichten bis mittleren Schwierigkeitsgrads. Doch nur weil ein guter Klavierschüler das technische Rüstzeug besitzt um diesen Zyklus auf dem Klavier vorzutragen, heißt dies noch lange nicht dass er ihm gewachsen ist. Geschweige denn meistert. Viele Mozart Klaviersonaten bewegen sich im mittel-leichten bis mittleren Schwierigkeitsgrad, jedoch wird es mir Bang und Übel wenn ich an langatmige Vorträge von fortgeschrittenen Studenten zurückdenke. Robert Schumann der intime Poet! Ihn entsprechend vorzutragen, die ganze Schumann’sche Poesie über die Tastatur dem Zuhörer, euch, zu vermitteln, das ist eine nicht zu unterschätzende Kunst. Eine Kunst die nur die wenigsten Pianisten beherrschen. Erst durch diese Fertigkeit wird ein Klavierstück lebendig und erstrahlt voller Farben. Nimmt euch mit auf eine emotionale Reise.

Hört jedoch selbst und beobachtet gleichzeitig das Publikum im „Träumerei “ Video. So bewegend und herzergreifend kann Musik sein. Sodass der ein oder andere Zuhörer eine Träne vergießt. Selbstverständlich sind dazu auch Pianisten/innen von Weltrang nötig. Vladimir Horowitz zählt zu dieser besonderen Gattung. Jedoch nicht nur er sondern auch einige andere, darunter auch Alfred Cortot.

Der Dichter spricht

„Der Dichter spricht“ – so lautet das 13. und letzte Stück der Kinderszenen. Hervorheben möchte ich es aus zwei Gründen. Erstens ist es ein Stück das genau die oben erwähnten Fertigkeiten benötigt. Und zweitens zeigt es uns warum dieser Robert Schumann so besonders ist. Er zeigt sich uns so verletzlich. Öffnet sich vollkommen. Kein anderer Komponist – behaupte ich Vorlaut – lässt uns so tief in seine Seele blicken.

„Die Wahrheit ist, Sie müssen dieses Stück eher träumen anstatt es zu spielen“
(Alfred Cortot )

Der komplette Klavierzyklus

Genau von diesem Cortot verlinke ich die kompletten Kinderszenen. Ich bitte euch die Tonqualität in den Hintergrund zu stellen und den Focus auf sein Klavierspiel zu legen. Die Aufnahme entstand bereits 1935. Sehr lange vor der uns gewohnten High Definition Zeit. Im Spotify link sind die Kinderszenen von Vladimir Horowitz.

Selbstverständlich habe ich Stücke/Werke von Robert Schumann auch auf der Klassikpunk homepage, dem Klassik Musik Guide für Einsteiger, genannt.

Vielen Dank und bis zum nächsten mal.  Pfiat eich Gott alle miteinand!

Euer Klassikpunk

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