“Eine Sternstunde der Semperoper” im Wochenend-Stream

Piotr Beczala und Anna Netrebko im Dresdner "Lohengrin" 2016
Foto: Piotr Beczala und Anna Netrebko im Dresdner “Lohengrin” 2016 © Daniel Koch / Semperoper Dresden

Eine Sternstunde der Semperoper war 2016 die Aufführung von Richard Wagners »Lohengrin«. So lautet zumindest die Ankündigung auf der homepage der Semperoper Dresden, die den Stream von Freitag (26. Juni 2020, ab 14:00 Uhr) bis Sonntag (28. Juni 2020, 23:00 Uhr) kostenlos zur Verfügung stellt. Spektakulär nicht nur Wagners romantischste Oper, sondern auch die Besetzungsliste. Unter den zahlreichen Weltstars stechen vor allem zwei Namen hervor: Anna Netrebko und Piotr Beczała. Der Grund: Unter der Leitung von Christian Thielemann feierten die beiden ihr langersehntes Wagner-Debüt.

Obwohl es gefährlich sei, wenn man zu viel Wagner singt, wie Piotr Beczala im BR-Klassik Interview 2018 verraten hat. Das ist ein One-Way-Ticket. Man fängt mit Lohengrin an. Dann stehen schon die anderen Rollen Schlange – und ehe man sich’s versieht, hat man schon den Tristan unterschrieben. Der Lohengrin jedoch, der sei überhaupt kein Wagner, so der polnische Startenor am Bühnenausgang der Wiener Staatsoper. Das italienische Belcanto, das Beczala noch immer beherrscht wie kaum ein anderer, das war es auch, das diesen Schwanenriter in Wien dominierte. In Dresden 2016 dürfte das ähnlich gewesen sein. Mit einem Gefühl von italianita, das sie öfters gespürt habe, bezeichnet Bettina Volksdorf bei BR-Klassik Beczalas Schwanenritter in Dresden.

Dort an seiner Seite: Anna Netrebko, die als Elsa zwar noch mit der deutschen Aussprache zu ringen hatte, aber vom Publikum ebenso frenetisch gefeiert wurde, wie Beczala. Sie verfügt über die nötige Kraft und die Power, die diese Partie verlangt, so Volksdorf, die beim mdr als Opernredakteurin arbeitet. Gerade in den Finalszenen kam sie locker über die Chöre und das mit 100-Mann stark besetzte Orchester. Sie verfügt über die Höhe und zudem über eine unglaubliche warme, leicht melancholisch schimmernde Tiefe – und sie hat bei all dem, eine beeindruckende dynamische Flexibilität in der Tongebung sich bewahrt.

Tomasz Konieczny (Telramund) und Evelyn Herlitzius (Ortrud) im Dresdner Lohengrin 2016
Tomasz Konieczny (Telramund) und Evelyn Herlitzius (Ortrud) © Daniel Koch

Insgesamt war es ein Fest der Stimmen. Dafür sorgten in der militanten Inszenierung von Christine Mielitz, die bereits aus den frühen 80er Jahren stammt, weitere Stars von Weltformat. Georg Zeppenfeld sang den König Heinrich, Derek Welton den Heerrufer und Evelyn Herlitzius die Ortrud. Als Telramund an ihrer Seite, ein weiterer Debütant. Tomasz Konieczny, der als Alberich und Wotan bereits Weltruhm erlangt hatte, sang in Dresden den Telramund zum ersten Mal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*