Kategorien-Archiv Gedanken zum Tag

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26. August 1961: Der Tag, an dem ein “Gott” die Welt verließ

Einer der ganz Großen. Das war er ohne jeden Zweifel: Vladimir Sofronitsky. Der russische Pianist, dessen Todestag sich heute, am 26. August, bereits zum 59. Mal jährt, ist für viele eher ein Unbekannter. Dabei begeisterte er zu Lebzeiten (1901-1961) nicht nur das Publikum, sondern auch große Kollegen. Swjatoslaw Richter soll, nachdem er von Sofronitsky als Genie bezeichnet wurde, erwidert haben: „Wenn ich ein Genie bin, sind Sie ein Gott!”. weiterlesen

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Gedanken zum Heiligen Abend: Die Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper

Foto: Wiener Staatsoper, 24. Dezember 2019 © Jürgen Pathy

Leuchtet sie nicht hell, heller als alle anderen Abendsterne entlang der Wiener Ringstraße? Die Wiener Staatsoper​, am 25. Mai 1869 feierlich mit „Don Giovanni” eröffnet, begleitet sie Herrn und Frau Wiener bereits seit über 150 Jahre. Ihre Anziehungskraft ist so groß, ihre Aura so mächtig, dass sie mich einfach in ihren Bann gezogen und nie wieder losgelassen hat. Auf meinem Heimweg von der Weihnachtsfeier hat es mich unweigerlich zu ihr hingezogen.

In diesem Haus werden Träume wahr. Hier ziehen Schwanenritter durch Brabant, hier finden Frauen ohne Schatten zu ihrer Menschlichkeit, und hier findet selbst Papageno, der tollpatschige Kerl, mit Hilfe der Magie seine Papagena und die Liebe. Hier wird aber ebenso verführt, hintergangen und gemordet, dass sich die Balken nur so biegen – all das jedoch immer im Namen der Kunst.

Möge dies weiterhin auf diesem hohen künstlerischen Niveau geschehen. Mögen alle Verantwortlichen, die nach Dominique Meyer noch folgen werden, dieses Juwel der Kunst hegen und pflegen, als wäre es ihr eigenes Augenlicht. Denn, um es mit den Worten des großen Otto Schenk auszudrücken, die er im Rahmen der Europäischen Kulturpreisgala 2019 mahnend an die Welt gerichtet hat: „Wer die Wiener Staatsoper schlachtet, der tötet Wien und seine Schönheit.”

In diesem Sinne, Frohe Weihnachten, allen ein gesegnetes Fest, viel Liebe und Musik und weitere 150 Jahre Wiener Staatsoper.

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Salzburger Festspiele 2019: „Salome” geht in die nächste Runde

Foto: Asmik Grigorian (Salome) © Salzburger Festspiele / Ruth Walz

Morgen geht die letztjährige Erfolgsproduktion der Salzburger Festspiele in die nächste Runde. In Romeo Castelluccis Inszenierung von Richard Strauss „Salome” stach vor allem eine Person hervor: die litauische Sopranistin Asmik Grigorian.

Von Jürgen Pathy (Klassikpunk)

Nicht, dass die junge Sängerin zuvor eine Unbekannte gewesen wäre. Bereits 2017 machte Asmik Grigorian in Salzburg als Marie in Alban Bergs „Wozzeck” von sich Reden. Doch mit der vor Intensität und Leidenschaft geprägten Darstellung der Salome hat sich die junge Litauerin letzten Sommer in die erste Reihe der Sängerelite katapultiert. weiterlesen

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Deshalb zählt Kammersänger Piotr Beczala zu den Allergrößten!

Foto: Piotr Beczala als Cavaradossi © Michael Pöhn

Vor Inbetriebnahme des Mundes, Gehirn einschalten! Dieser Devise folgt Piotr Beczala seit Anbeginn seiner Karriere. Gewissenhaft und behutsam von Kammersängerin Sena Jurinac aufgebaut, erweitert der gebürtige Pole sein Repertoire nur mit großer Sorgfalt. weiterlesen

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Gedanken zum Tag: Adieu Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld © dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

Anlässlich Karl Lagerfelds Tod, hat Arte eine interessante Dokumentation veröffentlicht, die Einblicke gewährt, in eine Welt, die ich ehrlich gesagt nie wirklich verstanden habe. Oberflächlichkeiten all zu sehr in den Mittelpunkt zu drängen, ist mir schon immer ein Graus gewesen. Anderseits sind mir fehlende Individualität und Stil, die Konformität des alltäglichen Erscheinungsbildes ebenso ein Dorn im Auge. weiterlesen

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Gedanken zum (Christ) Tag: Das limbische System trägt die Schuld

Foto-Quelle: https://fsspx.de/de/news-events/news/karfreitag-jesus-stirbt-am-kreuze-7632

Ein Artikel der österreichischen Tageszeitung Kurier befasst sich mit dem Buch „Vor dem Denken” des amerikanischen Psychologen John Bargh. Bargh, Experte auf dem Fachgebiet des freien Willens und der unbewussten Beeinflussung,  arbeitet an der renommierten Yale University.

Die Quintessenz des Artikels: Der Homo Sapiens hat sich letztendlich gegen alle Konkurrenten durchgesetzt, weil er besser kooperieren und gemeinsam handeln konnte. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sicherte ihm das Überleben. Deshalb sei es leicht erklärbar, dass wir uns gerade in Krisenzeiten gegen Menschen, die anders aussehen, abgrenzen wollen. weiterlesen

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Andreas Schagers Rollendebüt als „Lohengrin”: Schwanenritter meets Schwabenritter

Foto: Andreas Schager © David Jerusalem

Wiener Staatsoper, 23. Oktober 2018
Richard Wagner, Lohengrin

Von Jürgen Pathy (Klassikpunk)

Andreas Schager, 47, gilt zurzeit als die höchst gehandelte Aktie im Wagner-Fach. Egal ob als Rienzi, Tristan, Parsifal oder in seiner Paraderolle als kühner Siegfried – dem sympathischen Österreicher liegen Opernfans und Kritiker gleichermaßen zu Füßen. Fans himmeln ihn an, einschlägige Gazetten schwelgen in Superlativen. Im deutschen Heldenfach reicht dem gebürtigen Rohrbacher zurzeit keiner so schnell das Wasser.

Dennoch wurden im Vorfeld des mit Spannung erwarteten „Lohengrin” Rollendebüts einige Zweifel laut.  Wer mit offenen Ohren durch die Wiener Staatsoper schlich, dem konnte die aufkommende Skepsis nicht verborgen bleiben: Kann dieser vor Kraft und Virilität strotzende Zuchthengst der grazilen Lyrik eines edlen Schwanenritters gerecht werden?  Die Zweifel hallten lauter als gedacht.

Die sonst prall gefüllten Stehplätze der Wiener Staatsoper boten Dienstagabend viel Freiraum und frische Luft. In der Seitengalerie klaffte beinahe gähnende Leere. Ob der lautgewordenen Skepsis oder vielleicht doch der stürmischen Wetterprognose wegen, bleibt ein ungelüftetes Geheimnis – „Nie, sollst du mich befragen!” Letztendlich sowieso gleichgültig: Jeder, der etwas auf sich hält und sich „Wagnerianer” schimpft, hätte diesem viel gepriesenen Rollendebüt nicht fernbleiben dürfen. Punkt!

Immerhin konnte Schagers vor Kraft und Virilität nur so strotzendes Edelorgan selbst im Haus am Ring bereits Jubelstürme und höchste Glücksgefühle bescheren. So hat Schager bei seinem Staatsoperndebüt im Dezember 2017 bewiesen, dass er als alles überstrahlender Apollo in Strauss’ „Daphne” einen mehr als nur würdigen Nachfolger des großen Johan Botha abgibt. Doch Apollo und Lohengrin sind zwei Paar Schuhe. Bothas feingliedrige Lyrik, die der 2016 Verstorbene dem von Reinheit gezeichneten Lohengrin verlieh, ist Schagers Sache an diesem Abend nicht. Die Zweifel schienen berechtigt.

Von den technischen Schwierigkeiten zu Beginn mal abgesehen, wurde die lichte Gestalt des Schwanenritters all zu brachial präsentiert. Keine Frage: die Forte Ausbrüche eines Andreas Schager legen blank, welche Schwächen manch andere Sänger in puncto Volumen, Brutalität und Ausdruckskraft noch zu bewältigen haben – doch genau dort liegt auch der Hund begraben: Obwohl Schager bei der Gralserzählung („In fernem Land”) ansatzweise in göttliche Sphären empor zu steigen vermochte, war dieser Lohengrin stimmlich insgesamt zu erdig, zu viril und protzig angelegt.

Ebenso das über weite Strecken fahle Dirigat der Australierin Simone Young, 57. Mit Wehmut denke man an die letztjährige zwischen Dramatik und sphärischer Klangwolke perfekt hin und herschwebende Meisterleistung eines Sebastian Weigle zurück. Auf diese Unterstützung konnte Andreas Schager leider nicht zählen. Einzig auf Andreas Homokis umstrittene Tracht– und Lederhosen-Inszenierung, zu der dieser hemdsärmelige und protzig angelegte Lohengrin dann durchaus wieder passt. Schwanenritter meets Schwabenritter.